Ich hab Amazon mehrfach ausgiebig auf diesem Blog verteidigt, wie man am Hashtag Amazon auch sehr gut nachvollziehen kann.

Und ich stehe weiter zu dem, was ich da geschrieben habe.

Aber derzeit schießt sich Amazon selbst ins Knie, weil sie den sabotieren, an dem sie sich doch eigentlich primär ausgerichtet haben wollen: Dem Kunden.

Hintergrund ist der, dass Amazon sich gerade mit den Verlagen um höhere Provisionen streitet (siehe diese Artikel bei Spiegel Online, Zeit.de und FAZ.net).

Bleiben wir erst mal realistisch: Harte Preisverhandlungen gehören zum Geschäft, ob das nun ein mittelständiges Softwarehaus ist oder fragt einfach mal ALDIs Lieferanten. Das ist einfach so.

Aber hier beginnt die Sabotage: Amazon verzögert jetzt absichtlich die Auslieferung der Bücher dieser Verlage und impliziert, als sei das die Schuld der Verlage.

Jetzt wird der Kampf nicht mehr hinter den Kulissen ausgetragen, sondern auf meinem Rücken.

Und das ist auch ein Grund, warum Amazon diesen Teil des Kampfes schnellstens wieder einstellen sollte: Sie schaden sich damit selbst mehr, als den Verlagen. Warum? Aus zwei Gründen:

1) Die deutschen Zeitungen haben sich schon lange auf Amazon (und Google for that matter) eingeschossen, die nehmen solche Stories mit Kusshand auf und verbreiten sie in Windeseile. Und Leute, die noch Bücher lesen, ja, die lesen auch noch Zeitung – oder zumindest Online-Zeitung. Das heißt, dass die ganze Scharade mit der Lieferzeit in sich zusammenfällt.

2) Wenn ich Tom Clancy lesen will, dann will ich Tom Clancy lesen und nicht Stephenie Meyer. Da nützt es mir nichts, dass das eine verfügbar ist und das andere nicht.

Und hier ist, wo Grund zwei wirklich gegen Amazon läuft: Ich war gestern mal wieder in der Stadt einkaufen und bin auch mal wieder in ein Buchgeschäft gegangen. Die Sci-Fi / Fantasy-Ecke war dürftig wie immer (weshalb ich ursprünglich vor Jahren überhaupt erst zu Amazon gekommen bin!), aber bei den Mangas war zum Glück eine halbwegs vernünftige Auswahl da. Hab ein wenig geblättert und mir dann auch eins mitgenommen: One Piece, Band 1. Heute gelesen und für spannend befunden.

Nächster Schritt? Ab zu Amazon natürlich. Wollte ja Band 2 – 5 bestellen. Und dann? Band 2? Gewöhnlich versandfertig in 6 bis 10 Tagen. Band 3? Gewöhnlich versandfertig in 6 bis 10 Tagen.

Wisst ihr was, Amazon? In 6 bis 10 Tagen war ich noch zwei mal in der Stadt. Dann brauche ich euch wirklich nicht.

Wie Green Arrow sagen würde: You have failed this customer.

PS: Dieser Blogpost wird auch als englische Übersetzung direkt an jeff@amazon.com gehen.

  • Reihnold

    Hier in Paderborn ist es übrigens noch bequemer: Eine große, lokale und unbhängige Buchhandlung hat ebenfalls einen Online-Shop, der die Bücher per Fahrradkurier kostenlos nach Hause bringt. Wenn man früh am Tag bestellt und das Buch lieferbar ist, bekommt man das Buch dann sogar – ohne Aufpreis – noch am gleichen Tag geliefert. Da kann Amazon definitiv nicht mithalten!
    Das einzige Problem, das ich habe ist, dass es über die E-Book-Plattform des Händlers (im Endeffekt ist es Libri) keine englischen Bücher gibt. Daher habe ich trotzdem einen Kindle, da mir gedruckte englische Bücher nicht mehr ins Haus kommen (sauschlechte Papierqualität und dazu noch am stinken).
    Bei mir also: Deutsche Bücher ausschließlich lokal, englischsprachige Bücher über Kindle. Bei Blu-Rays und DVDs habe ich aber keine Skrupel bei Amazon zu bestellen. Media Markt und Saturn sind beides Hochpreisapotheken und ich habe keine Lust bei jeder DVD/Blu-Ray erst einmal zu verhandeln, dass ich den – meistens sehr viel günstigeren – Amazon-Preis bekomme. Dazu stammen mittlerweile gefühlt mehr als 50% meiner Medien nicht mehr aus Deutschland sondern aus England oder den USA.

  • DJ Doena

    “da mir gedruckte englische Bücher nicht mehr ins Haus kommen (sauschlechte Papierqualität und dazu noch am stinken).”

    Das ist mir auch schon aufgefallen. Paperbacks aus Amerika kommen mit einer DDR-Toilettenpapier-Papierqualität daher und riechen immer etwas merkwürdig.

  • crishan

    Ihr solltet euch alle beide abgewöhnen, nur das “mass market paperback” zu kaufen. Reguläre Taschenbücher aus dem englischsprachigen Bereich stinken nicht.

  • DJ Doena

    Ich kaufe meistens Über Amazon Marketplace, wo ich mir dann den Namen des Buches raussuche und und dann bei einem Händler “new” bestelle.

    Meistens bestelle ich da auch Bücher, die schon ein paar Jährchen alt sind und gar nicht mehr anders zu bekommen sind,