Eigentlich versuche ich ja, von bento fernzubleiben, da ich schon bei dessen Einführung gemerkt habe, dass das “Niwo” doch eher in Klassenzeitungsregionen angesiedelt ist.

Manchmal passiert es mir aber doch, dass ich im Teaser von Spiegel Online das Wörtchen “bento” übersehe und manchmal, aber nur manchmal, klicke ich dann doch absichtlich auf den Link.

Und ich werde immer und immer wieder enttäuscht. So wie heute mal wieder: Internet früher: Was wir als Teenager im Internet getrieben haben

Auja, das klingt spannend. Das klingt nach AOL-CDs im Zeitschriftenladen und nach CompuServe. Das klingt nach ICQ versus AIM Messenger. Das klingt nach 28,8er Modem und endlich ISDN.

Aber was ist schon “früher”. Früher ist offensichtlich 2006.

Wenn ich Geschichten aus der Vergangenheit erzähle, dann benutze ich oftmals ironisch die Formulierung “Damals, vorm Kriesch!”. Aber nicht mal das funktioniert hier richtig, denn 2006 war sogar schon der Irakkrieg drei Jahre alt. Okay zugegeben, bis zum Syrienkrieg waren es noch fünf Jahre hin – aber trotzdem.

“Früher” bei bento meint offensichtlich nicht mal prä-Facebook, denn dieses wurde bereits 2004 gegründet. Was genau unterscheidet dieses “frühere” Internet eigentlich genau vom heutigen? Also mal abgesehen von der Tatsache, dass man früher bei MySpace war.

Die Computererfahrungen der Charaktere von Tom Hanks und Meg Ryan im Film e-M@il für dich kann diese bento-Generation offensichtlich nicht mehr nachvollziehen.

Blöderweise für bento hatte die Autorin oder Redaktion oder wer auch immer noch die Kommentarfunktion aktiv gelassen und Leute sind auf diese Inhaltsleerigkeit natürlich gleich angesprungen. Diesen “Fehler” hat man jetzt natürlich korrigiert.

Da aber bento auf das Disqus-Plugin setzt, welches auch in diesem Blog verwendet wird, sind die Kommentare nicht wirklich weg und ich mag sie euch hier einfach mal präsentieren.

Aber es ist ja nicht nur dieser Artikel. Neulich hat sich ein anderer Autor darüber gefreut, dass ein Fernbusunternehmen dicht macht.

Mal davon abgesehen, dass er letztendlich darüber froh ist, dass jetzt der unterbezahlte, knielenkende Busfahrer auf der Straße sitzt, ist der Autor auch zu dusselig, Links zu setzen. Sämtliche bento-internen Links führen statt auf bento.de auf eine nichterreichbare Subdomain namens ce.bento.de:

Wenn man wie ich internet-affin ist, macht man das “ce.” einfach weg und kommt auf dem erwünschen Artikel raus, aber was sagt das über die Qualität der Seite aus?

Nein, das schlimmste an den Artikeln sind die zitierten Twitter-“Argumente”. Im Reisebus passiert es, dass man mal einen riechenden Sitznachbarn oder dass der Bus mal Verspätung hat? Oder dass das Klo verstopft ist? Und die Alternative dazu ist die Bahn? Weil da ist mir all das nämlich noch NIIIEEE passiert!!1!einself!

Und so bleibt es weiter dabei, dass der journalistische Sinn von bento-Artikeln bestenfalls als Fingerübung für Schreibanfänger zu werten ist. Die Frage ist nur: Warum wird uns das zum Lesen vorgelegt?

PS: Wer wirklich wissen will, wie das Internet 1994 so war, sollte sich mal diese 24-Parodie angucken.